Flauto (anche Ottavino e Flauto in sol), Clarinetto in Sib (anche Clarinetto basso e Clarinetto contrabbasso per il pezzo n. 7), Pianoforte, Violino, Violoncello.
Testo: Albrecht Bretz
Durata: 25′ circa
Anno: 1977
Edizione: Suvini-Zerboni (8397 P.; 8398 Mat. N.)
Dedica: “Roswitha Trexler gewidmet”
Luogo e data di composizione: Pesaro, 1 giugno 1977 – Roma, 11 agosto 1977
Prima esecuzione: Parigi, Museo d’Arte Contemporanea, 17 marzo 1978
Carol Plantanura, soprano;
Alexandre Myrat, direttore
TESTO
I Eröffnung
-Die Welt ist ein grosser Viehstall.
Er kann nicht so leicht gereinigt werden
Wie der des Auglas.
Denn während gefegt wird
Bleiben die Ochsen drin
Und häufen immer neuen Schmutz an-
So sagen wir und so
Sagen unsere Gegner
Unvermeidlich, gestehen wir
Hinterlässt auch der Säuberer Fleiss
Seine Spuren
Unsere Gegner, das Gleiche behauptend
Fragen mit bösem Blick
Wer für wen spricht
Und wie.
Und vor allem:
Von wo aus.
II Behauste und Unbehauste
Glaubt ihr, wir seien gesetzt in goldene Türme
Oder solche von Elfenbein?
Führten für die Mächtigen
Statt des rohen Stabes aus Gummi
Die weichere Feder
Mit gleichem Ziel
Von sicherem Ort aus?
Ihr täuscht euch!
Unsere Türrne sind nur gemietet.
Ihr, die ihr vorgebt, für viele zu sprechen-
Wer hat euch beauftragt-
Und dabei das Nest beschmutzt und Unruhe stiftet
Beschmutzt auch unsere Türme.
Ach, wären sie unser!
Warum verspielt ihr das Dach überm Kopf?
Seid ihr nicht welche von uns?
Wir hätten vielleicht euch empfangen!
Sind wir doch selber nur Gäste.
Ihr aber geht zu weit. Hofft ihr, uns zu vertreiben?
Wer jetzt im Turm wohnt, wird’s lange bleiben.
III Wie wird man Tui?
Grosses ersinnend für ihre Söhne
Fragen uns Mütter oft
Wie die Karriere der Tuis beschaffen
Wie wir so weit es gebracht
Welcher Weg dahin führe
Und welcher zu meiden sei
Dann gedenken wir
Unserer eigenen Jugend
Mit Andacht
Wurden wir doch erzogen
Unter der Devise grosser Verheissung
WISSEN IST MACHT
Erst später verstanden wir
Das weise Prinzip unsrer Lehrer
Uns von den andren zu sondern
Auch: an Wohlleben uns zu gewöhnen
Denn unsre künftige Waffe, der Geist
Gedeihe in Not nicht
So waren uns Weg und Ziel schon vorgezeichnet
Vor den Verkaufsständen des Wissens, den Kathedern
Sassen wir in Ehrfurcht
Aufblickend zu den Grossen unserer Zunft.
Wissen werde zur Macht erst, so hörten wir
Wenn es gelänge, es zu verkaufen.
Dieses wieder sei Teil des Wissens.
Aber der Markt sei eng.
Wir allerdings, aus den Hörsalen hoher und ausgezeichneter Schulen
Seien zu glänzender Laufbahn und raschem Aufstieg bestimmt.
Freilich, wenn einst uns beschieden sei
Meinungen machen und mit ihnen handeln zu dürfen
Arbeitend stets an der seelischen Haltung des Volkes;
Dies sei unser Amt
So gäb’ es doch Lagen, in denen sei guter Rat teuer.
Als Faustregel gelte dann
Nichts anzubieten am Markt
Für das die Nachfrage fehle
Oder komme von falscher Seite.
Noch schlimmer aber:
Wofür Nachfrage nicht zu erzeugen sei.
Der Verhältnisse wegen.
Keiner noch sei ein ordengeschmückter Tui geworden
Dem der Anpassung Tugend gefehlt.
Übrigens rate man ab
Die Folgen unserer Worte zu überschätzen.
Sie zu beweisen seien wir nicht befugt.
Dagegen kämen die Männer der Tat
Oft mit der Bitte zu uns
Für Vollbrachtes ihnen die Argumente zu liefern.
Hier könne dann jeder beweisen, was er gelernt
Gemäss dem Wahlspruch der Tuis
Der die Erziehung beschliesst:
In unsrer heiklen Kunst wird triumphieren
Wem es gelingt
Zwingend für alle
Zu formulieren
IV Von Generation zu Generation
Als unsere jetzigen Höhen
Uns kaum erreichbar schienen
Und die Treppen dorthin fern, steil und steinern
Versperrt von Uniformierten
Die wir in Gedanken mit Steinen bedachten
Nannten viele von uns die Hierarchie: das Erzübel
Die Grossen der Zunft errieten unsre Gedanken
Sie trösteten uns:
Auch sie, als sie jung gewesen…
Doch werde ein Realist nur
Wer früh die Hörner sich abstösst
Einige schlugen den Rat in den Wind
Nannten die Lehre Dressur
Die Examen: Papiergeld – Fiktion wie die Titel
Die sie gleichwohl erwarben: für alle Fälle
Dann bezogen sie Stellung
Auf der Seite der Unzufriedenen, drunten
Nicht weit vom Scheitern des Kampfes
Änderten sie ihre Sicht
Nützlich schien jetzt gar ein Titel
Als Rückfahrkarte
In die gute Gesellschaft-
Hier hielt man die Arme auf
Wie für verlorene Söhne
Und wieder sagten die älteren Tuis:
Auch wir, als wir jung waren…
Inzwischen ist es an uns, von oben herabzurufen:
Wir verstehen euch mehr als ihr glaubt!
Auch wir…Als wir…Ach…Einst…Jung…
Jung?…Einst?…Auch wir?
V Rückversicherung
Auch oben bleibt nichts wie es ist
Haltet stets mehrere Eisen im Feuer
Und Türen euch offen und
Setzt nicht nur auf ein Pferd
Höhenflüge sind Künste der Meister
Wie ungraziös wirkt der Absturz
In trostlose Ebenen
Sehe, wer schwebt, dass er nicht falle
Gleich den Artisten in der Zirkuskuppel die
Schauturnen am Trapez und unter sich
Plötzlich kein Netz sehn
Sondern nur: Volk
Und den Sand der Manege
VI Sonett von den Ungleichheiten
Wer von Bedürfnis spricht, der sollte wissen
Hier ist die Gleichheit vorerst Illusion
Die Unterschiede wuchern, wie zum Hohn
Man möchte sie -doch kann sie noch nicht- missen
Wie sollen wir’s den Vielen draussen sagen?
«Gleichmacherei ist der Natur verpönt!
Drum braucht es Kampf, bis alle sie verwöhnt.
Hofft zäh! Und füllet später erst den Magen!”
Nicht jeder kann zu gehör’n, der’s möchte
Die Plätze sind gezählt und numeriert
Zu viele Meinungen: man weiss doch, das geniert
Auch wir verteidigen, wen wunderes, unsre Rechte
Verhüten wir den Ausbruch schlimmer Wut
Dass uns nicht fliegt vorn spitzen Kopf der Hut
VII Sonett von den Hemmenden Begierden
Es sind der Triebe viel; doch ihrer zwei
Drehe sich im Kreise, kehren ewig wieder
Noch keiner war von ihnen wirklich frei
Sie zerren alles Neue zu sich nieder
Sie gehen beide durch den Bauch
Und leider sind wir schwach im Fleische
Steigt uns die Gier von unten auf
Wird Fortschritt weggeschwemmt wie eine Leiche
Ob Hunger, Liebe, Tisch ob Bett
Die Selbsterhaltung zwingt zu Kompromissen
Weil: keiner sieht sich gerne als Skelett
Vor allem sinkt zu früh nicht in die Kissen!
Denn sind wir alle Opfer dieser Schwäche
Zahlt doch der Schwächste stets die höchste Zeche
VIII Von der Potenz friiher und heute
Als es mit den Aristokraten zuende gegangen war
Sagten jene unserer Vorfahren
Die dazu beigetragen hatten
Mit Bewunderung:
Da ihnen schon bald der Kopf fiel
Stand ihnen noch der Schwanz
Warum
So fragen wir uns häufig
Gilt seitdem
Für so viele Tuis
Das Gegenteil?
IX Rechtspflege
Schon die Klassiker lehrten
In den schönen Künsten zähle nicht Wahrheit
Sondern Wahrscheinlichkeit
So betonen auch wir
Der Schein des Rechts sei wichtiger
Als das Recht
Von dieser Ware besonderer Form
Kann nicht jeder die gleiche verlangen
Ja, manchen muss man sie völlig entziehn-
Sie könnten das Ganze gefährden
Gern möchten sie ihren Protest
In profitables Gewerbe verwandeln
Sie sollten wissen:
Das Geld strömt nicht immer
Und wenn
Dann nicht von unten nach oben
X Lob, Lohn und Preis
Die Sätze, die wir ständig wenden
Wie Kleider, dass sie sind wie neu
-Ornate, schön zum Beifall spenden-
Verkaufen wir. Was nützt uns Scheu?
Die Hände, die wir andren waschen
Sie würden nicht von selber rein
Der Monatsscheck in unsren Taschen
Stellt auch sich nicht von selber ein
Die Steu’rung, wenn wir sie hoch droben
Mit unsrer Worte Öl versehn
Und salben, weihen, preisen, loben
Lässt dicht in ihrer Näh’ uns stehn
XI Kunst des Unterscheidens
Welches hochbezahlte Amt
Verlangte nicht Opferbereitschaft?
Jene von uns
Die den Fluss schädlicher Meinungen
Zu verhüten haben
Werden verleumdet
Sie trügen
Ein goldenes Sterilet
Im Gehirn
XII TUI-Kreislatl
Im Anfang war das Wort
Für uns
Wird es auch am Ende sein
Von den Höhen unsrer Türme
-Obzwar nicht unbehelligt vom Zank des Tages
Und kleinlichen Streitereien-
Versehen wir den Gang der Dinge und den Lauf der Welt.
Mit Worten
Wenn sie wuchern und vielfarbig sind
Gleich Metastasen:
So sind wir fruchtbar
Wessen Sieg wäre jemals Triumph geworden
Hätten nicht wir mit Kunst ihn geschmückt?
Uber unseren Fall oder Aufstieg entscheidet auch künftig:
Die bessere Formulierung
Wenn wir einst gehen zur seligen Ruh
Deckt uns mit blühenden Worten zu