Basso, Coro Misto
Ottavino, Clarinetto, Tromba, Trombone, Pianoforte, Contrabbasso, Percussioni: Piatto sospeso, 2 Tom-tom (piccolo e grande), Tamburo militare, Hi-hat, Grancassa.
Testo: Vladimir Majakowskij
Movimenti:
- Mit aller Stimmkraft
- Du
- Wolkenkratzer im Langsschnitt
- Zweierlei Berlin
- Lilitschka!
- Nach Hause
- Tragödie Majakowskijs (Prolog)
- Marsch der Zeit (nach H. Eisler)
- Letzter Brief
- An Sergej Jessenin (1926)
- Mit aller Stimmkraft (2)
Durata: 35′ circa
Anno: 1980
Edizione: Suvini-Zerboni (8692 P.: 8693 Mat. N.)
Dedica: Christoph Keller und der Assoziation ‘Kultur und Volk’ Zurich gewidmet
Composto tra settembre 1979 e giugno 1980
Commissione: Associazione ‘Kultur un Volk’ di Zurigo
Prima esecuzione: Basel, Ignm (Internationale Gesellschaft fur Neue Müsik) 29 gennaio 1982
Kurt Widmer, basso
Stefan Litwin, direttore
TESTO
Mit aller Stinunkraft
Vaterach zu einem Poen: (1930)
Ihr Nachkommen,
verehrte Genossen Enkel!
Durchwühlt ihr einst
der Jetztzeit
Kot-Petrefakt
und studiert unsrer Tage dunkles Gesprenkel,-
vielleicht wird dann auch nach gefragt.
Und vielleicht erklärt euch (drauf)
Inh euer Ge)ehrter,
ein vielgescheiter
und aufgeklärter:
-“Da war mal der Sänger,
der ausgekochte,
der ungekochtes Wasser nicht mochte…”
Professor, nehmen Sie Ihre Zweirad-Brille ab!
Ich geb einen Selbstbericht,
Ich, der Fäkalienfahrer
bündig und knapp.
Ich, der Fäkalienfahrer
mit dem Stachsprengwagen,
den die Revolution mobilisierte und entsandte,
kam zur Front
aus den herrschaftlichen Gartenbauanlagen
der Dichtkunst,
jener launischen Tante.
-“Hab den schönsten Blumengarten,
süsses
Kindchen,
treues
Männchen.
Will die Blümchen selber warten
und begiessen aus dem Kännchen.”
Kannegiesser, schwenk die Kann!
Spiesser-Lippen,
prustet Lyrik!
Welcher Teufel euch ersann!
Tropf, wer euch ertragen kann-
herzlich-zierzlich, schmerzlich-schmierig!
Gibts denn keine Seuchensperre
für das falsche Schmachtgeplärre?
Mandolinen, tingel-tang-
klingelklang…
Fragwürdige Ehre,
wenn aus solcher Art Rosen
mein Bildwerk zum krönenden Gipfel aufstiess-
im Stadtpark,
bespien von Tuberkulose,
von Hure, Rowdy
und Syphilis.
Auch mir
wächst die Agitpropkunst
zum Halse heraus,
auch ich
schriebe
Goldschnitt und Fliederstrauss,-
das wär was
für Scheckbuch und Seele.
Doch ich
bezwang mich,
trat
dem eigenen Lied
auf die Kehle.
Du
Da kamst Du-
ganz Geschäftigkeit;
[…]
Fünfter:
Hier zählt ihre Mitgifthemden
die alternde Miss.
vor Heiratswut elend,
hegt Wünsche.
die längst ihr die Brüste
beklemmten,
und kratzt sich die buschigen Achselhöhlen.
Siebenter:
Bildstreifen tragischen Wissens:
Von jung auf
in jedweder Sportart geübt
verprügelt ein Gatte
die untreue Mistress,
die wieder einmal
einen andern liebt.
Zehnter:
Ein Ehepaar, jungverrnählt,
im Honigrnondbett paradiesischen Heims.
Von Ratenzahlungsproblemen
gequält
lesen sie die Inserate der “Times”.
Dreissigster:
Aufsiderat einer AG
Gewinnausschüttung
Dem Blutwurst-Trust
in wildern Hasarde.
Dem Blutwurst-Trust
brachten Haschee und Gelee
dies Jahr
eine Hunderfleisch-Milliarde.
Vierzigster:
eine der Musik-Hall-Diven
lässt insgeheim
daheim
ihren Mann
beäugen von Schlüsselloch-Detektiven,
wodurch sie
die Scheidung er…gen kann.
Ein Kunstmaler,
Spezialist für Popos,
wünscht sich
im Neunzigsten
eine der Töchter
des Kunsthändlers;
nämlich die Mitgift ist gross,
und auch – sein Pinselwerk loswerden
Das Dach:
nur im Schnee
und ein Schornsteinfeger.
Und überm Hofschacht
ein Speisehaus:
Hier schluckt
seinen dürftigen Brocken
Der Neger,
und einen noch dürftigern
Ratte und Maus.
[…]
Zweierlei Berlin
[…]
Heut stiefelt
der Deutsche
schon nackenstark;
jüngst
rann er noch scheu
wie ein Wässerlein.
Das macht, jahvohl,
die gefestigte Mark,
sogar
sein Grinsen
ist Marmorstein.
Doch halt!
Wenn satte Gesichter
sich röten –
wozu ist denn
überall
Schupo vonnöten?
[…]
Lilitschka!
[…]
Hier hab ich, du weisst noch,
deine Hände gestreichelt.
Heut lehnst du kalt,
dein Herz hart gewappnet,
und rnorgen vielleicht schon
zischst du:
“Verschwinde”!
[…]
[da Lilitschka! Statt eines Briefes (1916)]
Ich aber wälze mich nächtelang
vor Pein, ein anderer greife nach dir,
wahrend ich krank,
ein halb schon verblödeter Juwelier
die Schreie zu Zeilen schleife.
[…]
[da Wirbelsäulenflöte (1915)]
Kein Fenstersprung lockt mich
keine ätzende Lauge,
nein, kein Pistolenlauf kühlt meine Schläfe.
Kein Blitz einer Klinge,
es wäre denn dein Auge,
hätt tvlacht über mich,
wenn er schneidend mich träfe.
[…]
[da Lilitschka!]
Nach Hause
[…]
Ich betrachte
mich
als eine Sowjetfabrik, erbaut, um
Glück zu produzieren. Ich will nicht
als Blümlein auf Feldern blühen,
als Sträusschen
Wicke, Reseda und Mohn,
welches man pflückt
nach des Tages Mühen.
Ich will,
dass die Staatliche Plankommission
mein Pensum alljährlich
in heisser Debatte
vorschreibe
auf strengem
Kontrollzifferblatte.
Ich will,
dass am Abend,
nach Arbeitsschluss,
der Betriebsrat
die Lippen mir
zuschliessen muss.
Ich will –
meine Feder ins Waffenverzeichnis!
Bajonett und Feder-
so lautet das Gleichnis!
Neben das Roheisen,
neben den Stahl hin
te das Wort.
zum Vers verdichtet!
auf Zentner-Bronze und Skulptur-Zement,potte
potte
jedes glorienglitschigen Marmor-Visums.
Last uns den Ruhm verrechnen-
wie im Kreis, wo man sich kennt,
co werd uns
zum Gemeinschaftsmonument
der hart
in Kämpfen
auferbaute Sozialismus.
Tragödie Majakowskis
[…]
Und ich, leicht humpelnd mit der Seele,
mach mich davon auf meinen Thron
mit den Löchern der Sterne an verschliessenen Gewölben.
Ich strecke mich aus,
lichterloh,
gekleidet in Langeweile,
auf das Lager aus purem Quatsch
und lass meinen Hals,
vom Rad der Lokomotive umarmen.
An Sergej Jessenin (1926)
[…]
Es gibt noch
wenig Lust
auf unserm Stern.
Man muss
die Freude
aus der Zukunft
reissen.
Sterben
ist hienieden
keine Kunst.
Schwerer ists:
das Leben bauen auf Erden.
Marsch der Zeit (1926)
Sang der Gesänge, heb dich zur Sonne
über dem Marsch der roten Kolonne!
Land sei bereit!
Vorwärts die Zeit!
[…]
Letzter Brief (April 1930)
An alle!
Ich sterbe, macht niemand dafür verantwortlich, und bitte
kein Gerede. Der Verstorbene hasste das.
Mutter, Schwestern und Genossen, verzeiht -es ist keine
Art (ich empfehle es niemand), doch ich seh keinen Ausweg.
Lilja -liebe mich.
Wie man so sagt-
“der Fall ist jetzt erledigt”,
das Liebesboot
am Alltagskram zerschellt.
Ich bin mit dem Leben quitt,
es ist nicht nötig,
dass man sich Not
und Qual
entgegenhält.
Den Hinterbliebenen Glück.
Wladimir Majakowski